Linux 3.5

Eine achte Entwicklerversion gibt es nicht. Der Kernel v3.5 ist wohl Torvalds Beitrag zum Füllen des Sommerlochs.

Die Differenz zwischen 3.5-rc7 und 3.5 ist nicht viel geringer als bei den letzten RCs. Der dickste Fisch im Teich sind wohl ein paar wenige Änderungen der Benennung von IDs im Systemuhr-Treiber für die ARM-basierten SPEAr-Prozessoren aus dem Hause ST Microelectronics. Diese sechs Commits sind für ein starkes Drittel der Änderungen verantwortlich. Weiterhin war auch eine größere Anzahl kleinerer Patches für die MIPS-Architektur dabei und Fehlerkorrekturen am GMA500-Grafiktreiber sowie Ethernet-Treibern verschiedener Broadcom- und Intel-Chips.

Doch was hat uns Linux 3.5 denn jetzt mitgebracht?

Das Ext4-Dateisystem kann nun mittels Prüfsummen die Unversehrtheit von Metadaten überprüfen, etwas, das bereits brtfs und zfs beherrschen. Dadurch kann beim Laden von Daten jedoch lediglich festgestellt werden, dass vorhandene Metadaten valide sind oder dass sie beschädigt wurden, deren Wiederherstellung ist mit dieser Funktion ebenso wenig abgedeckt, wie die Überprüfung der im Dateisystem gespeicherten Daten selbst.

„Bufferbloat“ ist ein Schlagwort, das man auf der Kernel-Mailing-Liste in diesen Tagen häufiger findet. Gemeint ist damit das Aufblasen des Puffers für Netzwerkpakete, die zwar gesendet wurden, für die vom Empfänger aber noch keine Empfangsbestätigung vorliegt. Bleibt diese aus, wird das betreffende Paket noch einmal verschickt, um zu gewährleisten, dass es drüben auch wirklich ankommt. Ungeschickte Umsetzungen des TCP-Protokolls in Netzwerkkomponenten führt nun dazu, dass sich ziemlich viele Datenpakete auf der Strecke befinden und dieser Meta-Puffer damit zu groß und auch zu träge wird. Seit Linux 3.3 wird an diesem Problem mit unterschiedlichen Ansätzen gearbeitet, der jüngste Versuch ist CoDel (Controlled Delay - gesteuerte Verzögerung), der die Größe der Warteschlange für zu versendende Netzwerkpakete in Abhängigkeit vom gegenwärtigen Netzwerkdurchsatz anpasst (Anmerkung: Wie das genau funktioniert, will sich mir nicht erschließen; der LWN-Artikel The CoDel queue management algorithm war mir unverständlich).

Ebenfalls in Netzwerkdingen bewegt sich eine Funktion, um Netzwerkverbindungen von einem Rechner zu einem anderen umzupflanzen. Dies wird nötig, wenn laufendes System mit offenen Netzwerkverbindungen von einem Host auf einen anderen transferiert wird - in Umgebungen mit virtuellen Servern heutzutage ein fast tägliches Geschäft. TCP connection repair ermöglicht dies nun, ohne dass aktive Netzwerkverbindungen dabei auf der Strecke bleiben sollen.

TCP Early Retransmit dient wieder der Steigerung der Leistungsfähigkeit einer Netzwerkverbindung. Dadurch soll nach einem Einbruch der Übertragungsrate rasch wieder zu einem möglichst hohen Durchsatz zurückkommt.

Weitere neue Funktionen sind zum Beispiel die Unterstützung von Frontswap, die bereits im Artikel zu Linux 3.5-rc2 angesprochen wurde, und eine QEMU-Emulation eines Cirrus-Grafikchips. Ich könnte noch eine Weile so weitermachen, aber es muss ja auch noch was für den Kernelrückblick von freiesMagazin in zwei Wochen übrig bleiben.

Die kleine Statistik:

Commits geänderte Dateien eingefügte Zeilen gelöschte Zeilen Datum Tage *
3.5-rc1 10 068 9 139 605 187 400 813 03.06.2012 14
3.5-rc2 215 197 3834 1464 09.06.2012 6
3.5-rc3 382 321 4350 1857 16.06.2012 7
3.5-rc4 267 322 2236 1194 24.06.2012 7
3.5-rc5 270 256 1564 1061 30.06.2012 6
3.5-rc6 187 172 1588 963 07.07.2012 7
3.5-rc7 225 187 1828 1124 14.07.2012 7
3.5 195 184 1566 1157 21.07.2012 7

* Tage seit dem letzten rc/Release

Version Commits geänderte Dateien eingefügte Zeilen gelöschte Zeilen Datum Tage *
3.0 9843 7946 554 267 440 894 22.07.2011 64
3.1 9380 9181 726 251 602 017 24.10.2011 94
3.2 12 695 12 608 1 645 447 1 417 264 04.01.2012 72
3.3 11 416 10 698 599 885 432 464 18.03.2012 74
3.4 11 829 11 086 576 155 358 368 20.05.2012 63
3.5 11 771 9 631 623 283 410 763 21.07.2012 62

* Tage seit dem letzten Release

Quelle: Linux Kernel Mailing List

PS: Ich hoffe, der Beitrag war jetzt zeitnah genug. ;-)

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Kommentare

Vielen Dank, wie immer sehr informativ. Da der Kernel eh einige Tage reifen muss, bis er in archlinux core einziehen darf, bist du noch nie „zu spät“ dran gewesen. Also nicht ärgern lassen :)

Och, wirklich geärgert habe ich mich nicht, aber die Note zum Abschluss konnte ich mir doch nicht verkneifen. Das hier ist eben ein Blog und keine Nachrichtenseite, das darf man auch mal merken :-D