Kometensuche mit Stellarium

ISON in der simulierten Kamerasicht

Immer mal wieder schaut ein Komet im inneren Sonnensystem vorbei. Ab und zu ist irgendetwas daran so besonders, dass die Astronomiewelt ein bisschen ausflippt. Einige wenige wie Halley oder der gut sichtbare Hale-Bopp kommen auch dem nicht Astronomie-begeisterten Rest der Bevölkerung zur Kenntnis. So geschieht es derzeit auch mit ISON, der sich mittlerweile auch in der Allgemein-Presse der Aufmerksamkeit erfreut.

Die (meist) kurzen Presseartikel beschreiben auch, wann man ISON ungefähr wo findet. Da der Komet sich allerdings bewegt, veralten diese Informationen recht schnell. Aber natürlich „gibts da ne App für“, und zwar auch als Open Source.

Das Hilfsmittel nennt sich Stellarium und ist für Linux, Mac OS X und Windows zu bekommen. Auf ubuntuusers.de gibt es eine Projektvorstellung, die zwar nicht die Bedienung im Detail, aber immerhin die Möglichkeiten erklärt.

Von sich aus kann Stellarium ISON noch nicht aufspüren - wer das nicht glaubt muss nur über in der Suche (entweder das Lupen-Symbol aus der Symbolleiste am linken Fensterrand oder mit der Taste [F3]) C/2012 eingeben und bekommt dies bestätigt. Doch verfügt Stellarium über den Sonnensystem-Editor (engl: „Solar System Editor“), der bei bestehender Internetverbindung Bahndaten für Objekte direkt vom Minor Planet Center importieren kann.

Und so geht es:

Einstellungsfenster

Zuerst öffnen wir die Konfiguration (Schraubenschlüssel in der linken Symbolleiste oder Taste [F2]), gehen auf die Erweiterungen und wählen den Sonnensystem-Editor.

Sonnensystem-Editor

Dort gehen wir zum Reiter Sonnensystem und klicken auf den Knopf Bahnelemente im MPC-Format importieren.

Onlinesuche

Im folgenden Dialog wählen wir die Onlinesuche, geben dort C/ISON ein und klicken auf die Lupe.

Suchergebnisse

Der Komet „C/2012 S1 (ISON)“ sollte in der Liste der gefundenen Objekte auftauchen. Das Objekt wählen wir aus (Häkchen setzen) und klicken Sie auf Objekte hinzufügen.

Suchfensterr

Wir sind fertig, daher werden alle Dialoge geschlossen. In der Suche (Taste [F3]) kann man jetzt C/2012 eingeben und Stellarium zeigt nun die Position des Kometen an.

ISON in Kameraausschnitt der EOS600D

Und so sieht das ganze dann aus, wenn man versucht sich den Bildausschnitt für ein Foto mit der Okular-Erweiterung anzuschauen. Aber das ist eine andere Geschichte...

Das ganze funktioniert natürlich auch mit anderen Kometen. Die Onlinesuche legt auf Groß-/Kleinschreibung keinen Wert, wohl aber darauf, dass der Name des Komenten und nicht die Nummer angegeben wird. Nachdem sich ISON kommendes Jahr wieder in Richtung der Außenbezirke unseres Systems davon gemacht hat, lässt sich Stellarium aber auch weiter verwenden. Das Programm ist wunderbar dazu geeignet, Sterne, Sternbilder und Planeten zu finden, die Auf- und Untergangszeiten zu bestimmen und nachzusehen, welches Sternchen denn vorhin so auffällig gefunkelt hatte.

Weitere Informationen zu ISON liefert im Übrigen die Seite Komet-ISON.de und auch ein Blick in Jan Hattenbachs Blog Himmelslichter lohnt sich.

Kommentare

Warum sieht der Komet auf dem letzten Bild nicht wie ein Komet aus? Und es heißt "OS X", nicht "Mac OS X".

Im Vorfeld ist das schwer abzuschätzen, wie ein Komet nun tatsächlich aussieht, wenn er in Sonnennähe kommt. Ich kann mir vorstellen, dass das dann in einer solchen Software auch entsprechend schwierig darzustellen ist.

Bezüglich „OS X“ vs. „Mac OS X“: keine Ahnung, als Linuxer läuft das für mich nahezu auf das gleiche hinaus. Aber man hat ja verstanden, was im Artikel gemeint war, oder?

Weil es so auf der Homepage von Stellarium steht...

Die Antwort gefällt mir fast noch besser ;-)

Wie machst du den Ausschnitt mit der Okular Erweiterung und was soll das bedeuten?

Der rot umrandete Ausschnitt stellt das Blickfeld einer Canon EOS 600D dar, an ein 102/1300 Maksutov-Cassegrain geschraubt wurde. Eben dies ermöglicht die Okular-Erweiterung, sich Ausschnitte des Himmels so anzuschauen, wie sie im Teleskop in etwa aussehen würden.

Ein super Programm!! Hatte ich als alter Sternkucker scho früher installiert.
Nur leider stürzt es bei mir fast regelmäßig ab. Mein System ist ein Kubunt 13.10 64 bit.
Mein Verdacht ist der gleichzeitig laufende Musikstream mit Mediaplayer. Das System friert irgendwann plötzlich total ein und ist nur noch per Hardware-Reset wieder zu beleben.
Gruß Klaus

Ich betreibe Stellarium bislang nur auf Ubuntu 12.04 und in der Regel läuft auch nichts nebenher. Macht auf meinem 1.2 GHz-Notebook auch nicht viel Spaß.

Gibt es Stellarium auch für Android-Smartphones?

Es gibt wohl einen Port, ich weiß jedoch nicht, wie offiziell der ist: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.noctuasoftware.stellarium