Linux 3.12-rc1

Exakt vierzehn Tage blieb das Merge Window auch diesmal wieder offen. Die Zahl der Änderungen entspricht ebenfalls in etwa dem vorangegangenen Kernel, auch wenn der Ausfall des Massenspeichers in Torvalds Hauptrechner den Entwicklungszyklus geringfügig bis empfindlich störte, je nachdem welchem „Online-Blatt“ man glauben mochte.

Tatsächlich machte er auf der Kernel-Mailing-Liste lediglich darauf aufmerksam, dass ihm einige Merge Requests aufgrund des Ausfalls durch die Lappen gegangen sein könnten und bat darum, noch ausstehende Anfragen, die Entwicklerzweig noch nicht aufgetaucht waren. Das meiste seiner Arbeit hatte er wohl schon publiziert und angesichts eines durchaus gesund wirkenden -rc1 nach einem Zwei-Wochen-Merge-Windows scheinen sich die tatsächlichen Auswirkungen klar in Grenzen zu halten.

So, nun ans Eingemachte. Über 8000 Zeilen der git-diff-Ausgabe durchzuackern dauert ewig und macht nach einer Stunde auch keinen Spaß mehr. Daher habe ich nur einen kleinen Überblick über ein paar Änderungen, die mir ins Auge stachen und die sich interessant anhörten:

Einmal erhielten die System-on-Chip-Prozessoren der Snapdragon-Reihe Unterstützung für Kernel Modesetting (KMS), das die Einstellung der Grafikkarten durch den Kernel selbst ermöglicht. Diese Prozessoren kommen häufig in Smartphones zu Einsatz und sie bieten auch eine HDMI-Schnittstelle, deren Gebrauch durch KMS vereinfacht wird.

Einer der vielen neuen Treiber ermöglicht den Gebrauch des Videosignal-Eingangs der Renesas R-Car-Systeme. Dies sind ARM-basierte System-on-Chip-Systeme, die für den Einsatz im Fahrzeug – Stichwort Infotainment – gedacht sind. Der neue Treiber ermöglicht die Einbindung z.B. einer Rückfahrkamera.

Ein weiterer Treiber soll Unterstützung für Intels Ethernet-Controller der XL170-Reihe liefern. Obwohl die bisherigen Bestandteile des i40e-Treibers schon recht umfangreich sind, ist er bei weitem noch nicht fertig und dürfte im Moment auch kaum Funktionalität bieten. Im Vorfeld äußerte sich der Intel-Entwickler Jeff Kirsher bereits, dass diese Controller-Ersie etwas anders funktioniere als bisheriges „Silikon“ von Intel und daher ein eigener Treiber notwendig werde. Auch sei man noch in einem sehr frühen Stadium der Produktentwicklung. Man wolle jedoch die Unterstützung im Linux Kernel bei Veröffentlichung des Produktes, daher gebe es noch keine Dokumentation für die Entwicklung.

FOTG210 ist der unaussprechliche Name eines USB 2.0-Controllers. Dieser kann sowohl als Host- als auch als Device-Controller betrieben werden, also entweder andere Geräte ansteuern als auch am „unteren“ Ende der Befehlskette von einem Host-Controller angesteuert werden. Vorstellen könnte ich mir so etwas in Tablets, die zum einen vom PC aus mit Bildern, Musik und Videos betankt werden können und andererseits auch auf einen eingesteckten USB-Speicher oder eine Digitalkamera zugreifen sollen. Diese Änderung musste zweimal eingereicht werden, da Greg Kroah-Hartman den ersten Patch wenige Minuten nach der Aufnahme wieder entfernte. Die E-Mail-Adresse des Entwicklers war nicht mehr aktiv und der Patch wurde ein weiteres Mal von einem anderen Entwickler von Faraday eingereicht, da der erste die Firma zwischenzeitlich anscheinend verlassen hatte.

Ach ja, das Windows-ähnliche Bootlogo ist auch wieder verschwunden und macht wieder einem kleinen, schwarz-gelb-weißen Pinguin Raum.

Einen Überblick über weitere Neuerungen bietet Thorsten Leemhuis auf heise online.

Die letzten rc1-Versionen:
Eine Übersicht über die ersten Entwicklerversionen der letzten Kernel

Commits geänderte Dateien eingefügte Zeilen gelöschte Zeilen Datum Tage *
3.0-rc1 7 728 7 345 515 283 434 481 30.05.2011 11
3.1-rc1 7 620 8 567 682 861 567 884 08.08.2011 17
3.2-rc1 10 730 12 103 1 628 367 1 406 543 08.11.2011 15
3.3-rc1 9 460 10 078 569 551 360 626 19.01.2012 15
3.4-rc1 9 859 10 526 553 618 344 653 31.03.2012 12
3.5-rc1 10 068 9 139 605 187 400 813 03.06.2012 14
3.6-rc1 9 160 7 629 512 898 248 227 02.08.2012 12
3.7-rc1 11 083 15 096 1 543 528 1 226 219 14.10.2012 14
3.8-rc1 11 737 10 482 554 790 340 624 21.12.2012 14
3.9-rc1 10 941 10 585 589 505 328 642 03.03.2013 13
3.10-rc1 12 714 9 909 641 289 386 291 12.05.2013 13
3.11-rc1 10 160 8 889 770 288 238 578 14.07.2013 14
3.12-rc1 10 152 8 110 576 934 258 806 16.09.2013 14

* Tage seit dem letzten Release

Quelle: Linux Kernel Mailing List

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