V6 kann vieles bedeuten. Für mich war das heute etwas doppeldeutig, denn es fanden zwei für mich interessante Dinge statt: Der Venusdurchgang am 6. und der World IPv6 Launch Day.
Als Hobbyastronom ist der Venusdurchgang deshalb etwas besonderes, weil der nächste für uns sichtbare erst in über hundert Jahren wieder stattfindet. Daneben ist es schon ein Schauspiel, zu sehen wie ein anderer Himmelskörper uns auf der Innenbahn überholt und dabei vor der Sonnenscheibe vorbeizieht. Dafür braucht es keine hochentwickelten Instrumente, das Auge und eine passende Schutzfolie reichen aus, und bereits mit recht günstigen Teleskopen kann man das Erlebnis dann schon steigern.
Leider waren die Wetterverhältnisse nicht besonders gut. In meinem Fall jedoch ergab sich nach etwas mehr als einer Stunde Zittern im doch recht strengen Wind - mein Beobachtungsplatz lag in den Höhen des Schwarzwaldes - eine kurze Zeitspanne, in der eine Wolkenlücke den Blick auf Sonne und Venus freigab. Die zwei Minuten habe ich aber genutzt, um den Austritt mit bloßem Auge zu betrachten, an Fotos habe ich keinen Gedanken verschwendet. Vermutlich kann das kein Mensch, der sich nicht in gleichem Maße für unsere stellare Nachbarschaft interessiert nachvollziehen, aber der kurze Blick war schon den ganzen Aufwand wert.
Auch die Besonderheit des zweiten Ereignisses heute werden nur eingefleischte Netzwerker anerkennen können. Über zwölf dreizehn Jahre nach der Vorstellung des entsprechenden Standards soll IPv6 endlich durchstarten. Der Grund ist der Mangel an IP-Adressen des bisherigen Internet-Protokolls. Ja, dieser Mangel existiert tatsächlich, sonst würden wir nicht alle spezielle Adressbereich in unseren Heimnetzen verwenden und nur mittels NAT-Router auf das Internet zugreifen.
Als Lektüre, auch für interessierte Laien, möchte ich hier auf den Ikhaya-Artikel „IPv6: Überblick“ drüben bei ubuntuusers.de verweisen. Er erläutert nur die groben Grundlagen, ohne Linux- oder gar Ubuntu-spezifisch zu sein!
Aber nach diesem Tag versuche ich mal ein Fazit aus allem zu ziehen, was ich zum „IPv6-Start“ so gelesen habe: Am größten deutsche Internet-Knotenpunkt DE-CIX war heute kein so besonders großer Anstieg der IPv6-Nutzung zu verzeichnen (siehe DE-CIX Traffic Statistics. Um die Mittagszeit fiel dann auch die IPv6-Nutzung rapide ab, während der Gesamte Verkehr weiter anstieg. Dagegen war am Niederländischen Pendant zum DE-CIX heute ein erheblicher Zuwachs an IPv6-Verkehr zu sehen (siehe AMS-IX Traffic Statistics). Das ließe sich dadurch erklären, dass keiner der großen deutschen Internetzugangs-Anbieter sich zum IPv6-Einsatz verpflichtet hatte. Die Telekom hat heise gegenüber verlauten lassen, dass sie bis Ende diesen Jahres IPv6-fähige Anschlüsse für Endkunden zur Verfügung stellen will. Begründet wird das Hinterherhinken damit, dass man gewohnt hohe Qualität anbieten möchte.
Anmerkung in eigener Sache: Bei ubuntuusers.de unterstützen wir nun auch IPv6, zumindest für Besucher des Portals. Im Wiki wächst die „Unterstützung“ noch heran und helfende Hände sind gerne gesehen. Einige Artikel aus dem Bereich sind auch schon fertig und können als Inspiration dienen:
Die Ikhaya-Artikelreihe zum Thema IPv6:
Kommentare
Gast
Do, 06/07/2012 - 12:30
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Es sind 16 Jahre vergangen
Es sind 16 Jahre vergangen seit der Veröffentlichung des IPv6-Standards.
2012 - 1996 = 16
mathias
Fr, 06/08/2012 - 19:45
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Ups
Hmm, ich berufe mich mal auf RFC 22460, das wurde im Dezember '98 veröffentlicht. Damit wären es schon mal nur noch 13 1/2 Jahre. Die verbleibenden anderthalb Jahre schiebe ich mal auf die fortgeschrittene Stunde, zu der ich den Artikel geschrieben habe, in Verbindung mit der frühen Stunde, zu der ich zum Rendezvous mit den beiden heißen Bräuten unseres Sonnensystems aus dem Bett gefallen bin. ;-)
lioman
Mo, 06/11/2012 - 20:08
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schön
Hätte es auch gerne gesehen, aber unten in Freiburg hatte man leider keine Chance da bleiben nur Fotos und diverse Videos